WARENKUNDE BODENBELÄGE

Schadstoffe in Bodenbelägen

Schadstoffgeprüft ist nicht gleich Schadstoff-frei

Die Bestätigung »schadstoffgeprüft« ist nicht ausreichend. Häufig wird nur auf wenige oder nicht maßgebliche Schadstoffe geprüft. Auch ist die Definition des Begriffes »Schadstoff« bisweilen umstritten. So schreibt das Wollsiegel sogar eine Behandlung mit Mottenschutzmitteln vor. Das Teppichsiegel der Europäischen Teppichgemeinschaft heißt nicht automatisch schadstofffrei. Die in  Wollteppichböden eingebrachten Pyrethroide (überwiegend Permethrin) sind also nicht versehentlich als Schadstoffe, sondern mit Absicht als »nutzbringende Stoffe« eingebracht. Der Wollteppichboden wird dann als schadstofffrei verkauft, obwohl er mit dem als Nervengift bekannten Pyrethroid Permethrin ausgerüstet ist. Über den Staub können Pyrethroide schließlich in den menschlichen Körper aufgenommen werden und das Nervensystem schädigen.

 

 Für eine Schadstoff-Belastung des Innenraums aufgrund eines neuen Bodenbelags kann es mehrere Gründe geben:

- die Materialien selbst,

- eventuell verwendete Kleber oder

- Reaktionsprodukte von Kleber und Bodenbelag.

Auch ältere Beläge stellen mögliche Schadstoff-Quellen dar. Der Eintrag in die Raumluft erfolgt entweder durch die Flüchtigkeit der Verbindungen oder über mechanischen Abrieb.

Eine Geruchsbelastung ist zwar nicht automatisch mit einer Gesundheitsgefährdung verbunden. Allerdings können Befindlichkeitsstörungen wie z.B. Kopfschmerzen schon aufgrund des als unangenehm empfundenen Geruchs ausgelöst werden und sollten deshalb vermieden bzw. nicht über einen längeren Zeitraum akzeptiert werden.

Bei Teppichen können nach dem Verlegen Geruchsprobleme auftreten, die bis zu mehreren Monaten anhalten können. Der Grund dafür sind Ausdünstungen von Lösemittelresten, Hexanal oder Reaktionsprodukten aus den Monomeren Styrol und Butadien: Geruchsstoffe wie z.B. 4-Phenylcyclohexen, 4-Vinylcyclohexen trimeres 2-Methylpropen, die zu einem oft extrem unangenehmen Geruch führen können sowie die typischen Iso-Dodecene.

 Wolle, Sisal, Jute

Wer der Meinung ist, dass  Schur-Wolle oder andere Naturfasermaterialien wie Sisal oder Jute grundsätzlich Schadstoff-frei sind, unterliegt leider einem Trugschluss. Das z.B. von der Gemeinschaft Umweltfreundlicher Teppichbodenhersteller (GUT) verliehene GUT-Siegel wiegt die Verbraucher in falsches Vertrauen: Hier wird eine Ausrüstung des Teppichbodens mit Permethrin ausdrücklich vorgeschrieben.

Schurwolle ist während der Lagerung und des Transportes extrem anfällig gegen Mottenbefall und wird deshalb oft zu einem sehr frühen Produktionszeitpunkt mit Mottenschutzmittel ausgerüstet (z.B. Permethrin, EULAN oder MITIN). Dabei handelt es sich um pestizide Wirkstoffe, die zwar fest mit der Faser verbunden sind, aber durch den Teppich-Abrieb mobilisiert werden und über den Staub-Pfad in die Atemluft und auf die Schleimhäute gelangen können.

Ein sehr bekanntes Mottenschutzmittel ist z.B. Permethrin, ein synthetisches Pyrethroid, das bei erhöhter Staub-Belastung zu Symptomen wie Schleimhautreizungen und Kopfschmerzen aber auch zu Nervenschädigungen führen kann.

Insektizid ausgerüstete  Teppichböden sind als ungeeignet einzustufen.

Als ebenso wirksames aber ungiftiges Mittel gegen Mottenbefall kann prophylaktisch z.B. auch eine Pheromonfalle in Räumen mit Wollteppichboden ausgelegt werden, so dass ggf. vorhandene Motten diese Fallen dem Teppichboden vorziehen.

Textile Bodenbeläge aus rein pflanzlichen Materialien wie Sisal, Jute oder Kokosfaser sind vergleichsweise robust und strapazierfähig. Allerdings werden auch hier immer wieder Rückstände an pestiziden Wirkstoffen festgestellt, die während des Anbaus der Pflanzen oder im Anschluss auf die Faser aufgebracht worden sind. Eine Eulanisierung wird hier nicht vorgenommen.

Kunstfaserteppiche oder Nadelfilzteppiche

Kunstfaserteppiche oder Nadelfilzteppiche aus Polyamid, Polyacryl, Polyester oder Polypropylen werden häufig mit einer Vielzahl chemischer Ausrüstungen angeboten, die z.B. die statische Aufladbarkeit herabsetzen, Schmutz-abweisend wirken oder die Lichtechtheit verbessern. Hier sollte bei der Auswahl gründlich überlegt werden, ob eine solche Ausrüstung tatsächlich notwendig ist. Diese Art Bodenbelag ist meistens äußerst strapazierfähig, nimmt aber weniger Feuchtigkeit auf als ein Naturfaserbelag und ist somit für das optimale Raumklima weniger geeignet. Durch Faserabrieb kann unter Umständen eine hautreizende Wirkung von ihnen ausgehen.

Steinboden und Fliesen

Im Vergleich zu den textilen Bodenbelägen sind Steinböden und Fliesen hervorragend für empfindliche Personen geeignet. Allerdings strahlen diese Böden weniger Wärme und Behaglichkeit aus. Auch hier können leicht zu reinigende, kleinere textile Teppiche für mehr Gemütlichkeit sorgen. Bei verklebten Steinböden oder Fliesen sollte ein möglichst lösemittelfreier Kleber verwendet werden.

In Verruf geraten sind ältere Fliesen infolge der Beimischung urandioxidhaltiger Pigmente in der Glasur (vor allem in roten Fliesen). Bei bestehenden Zweifeln über das Alter oder die Herkunft der Produkte sollte eine Probe des ausgewählten Materials vor dem Verlegen auf ihre Radioaktivität hin untersucht werden.

Holz und Laminat

Holzfußböden vermitteln ein besonders behagliches Wohnklima und erfreuen sich auch aufgrund des ökologischen Aspektes wieder wachsender Beliebtheit. Neben der Auswahl des "richtigen" Materials wie z.B. Holzdielen, Parkett, Fertigparkett oder Laminat sollte der Verarbeitungstechnik bei der Auswahl aber ebensoviel Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Je nach Verarbeitung sind nicht alle Holzfußböden für Räume geeignet, in denen sich sensiblere Personen aufhalten. Bodenbeläge aus Holz sind z.T. unbehandelt, fertig versiegelt oder gewachst erhältlich. Der Teufel steckt wie üblich im Detail:

Holzdielen und Parkett sind meist unbehandelt und werden im Allgemeinen nach mehrmaligem Abschleifen "versiegelt". Bereits beim Abschleifen sollte zumindest mit Atemschutz gearbeitet werden, da Holzstäube stark reizend wirken können. Eichen- und Buchen- Stäube sind für ihr krebserzeugendes Potential bekannt. Wenn möglich, sollte das Abschleifen mit einer speziellen Absaugeinrichtung vorgenommen werden. Anschließend sollte der gesamte Staub äußerst gründlich feucht beseitigt werden. Als Lasuren stehen Lacke, Wachse und Öle zur Auswahl.

Sogenannte "Säurehärtende Lacke" (SH-Lacke) sollten zur Versiegelung unbedingt vermieden werden, da diese Lacke Formaldehyd (schleimhautreizend, allergisierend) freisetzen können. Polyurethanlacke (DD-Lacke) können zu einer erhöhten Belastung des Innenraums mit geruchsintensiven Phenolen, kurzzeitig auch zur Freisetzung von Isocyanaten (schleimhautreizend) führen und sind deshalb auch nicht in jedem Fall zu empfehlen. Bei der Verwendung von Wasserlacken kann es zu langfristigen Ausdünstungen von Glykolethern kommen, deren gesundheitsschädigendes Potenzial noch nicht abschließend geklärt ist.

Bei natürlichen Wachsen und Ölen sollte auf sparsame Anwendung geachtet und überschüssiges Mittel gründlich entfernt werden, da deren Inhaltsstoffe wie z.B. Terpene bei erhöhter Konzentration in der Raumluft reizend oder allein schon wegen ihres Geruchs belastend wirken können. Einige Vertreter der Terpene besitzen sensibilisierendes Potenzial. Synthetische Wachse oder Öle auf der Basis von Isoaliphaten können hinsichtlich der Schadstoff-Freisetzung ohne größere Bedenken verwendet werden. Bei Fertigparkett sollte nach der verwendeten Versiegelung gefragt werden. Grundsätzlich sollte während des Versiegelungsanstrichs großzügig gelüftet werden.

Bei Holzfußböden, die leicht zu verlegen sind, z.B. Fertigparkett oder Laminat, lohnt sich ein Blick auf die Unterseite des Materials: Hier verbirgt sich oft eine Schicht Pressspan oder Leimholz, das formaldehyd-haltiges Bindemittel enthalten kann, bzw. das mit einem solchen Bindemittel befestigt ist. Vom Gesetz geregelt wird seit 1989 zwar die maximal duldbare Freisetzung von Formaldehyd aus einem solchen Holzwerkstoff unter ganz bestimmten definierten Bedingungen. Die tatsächliche Formaldehyd-Belastung, die bei Verwendung eines solchen Materials in einem Innenraum entstehen kann, bleibt davon aber unberührt. Für die Emission von Formaldehyd  ist auch die Größe der Flächenbelegung entscheidend.

Die Erfahrung beweist leider auch, dass immer wieder auch Materialien in den Handel gelangen, die die gesetzliche Norm nicht erfüllen und erhöhte Mengen an Formaldehyd abgeben. Dies gilt für Spanplatten allgemein, für Tischlerplatten, für Sperrhölzer,  MDF-und HDF-Platten.

Laminat wird zu den Holzwerkstoffen gezählt, wenn es sich um Spanplatten, Faserplatten o.ä. mit Kunststofffurnier handelt (oft mit Holzimitat-Muster). Dabei können mehrere Schichten Trägerpapier, Dekopapier, Zellulose-Schutzfilm mit Melaminharz verpresst und auf einen Träger geleimt sein, oder direkt als Melaminbeschichtung auf den Träger aufgebracht werden. Melaminharze sind von der Schadstoff-Seite her als unbedenklich zu bewerten. Für Kunststofffurnier (grundsätzlich auch bei Möbeln etc.) besteht die Gefahr der Ausdünstung von Phthalsäureanhydrid, einem Ausgangsprodukt bei der Kunststoffherstellung. Bekannt ist es für den "Anhydrid-Husten", der von der Substanz oft mit zeitlicher Verzögerung ausgelöst werden kann. Auch hier gilt: Das Trägermaterial kann Formaldehydgase ausdünsten.

Manche Mülldeponien behandeln Laminat als Sondermüll.

Linoleum

Linoleum stellt eine ökologisch sinnvolle Alternative zu PVC dar, da es hauptsächlich aus nachwachsenden Rohstoffen wie z.B. Leinöl, aber auch Sojaöl und Tallöl oder Naturharz (vorrangig Collophonium) hergestellt wird und frei von chlorhaltigen Verbindungen ist.

Im Herstellungsprozess wird dem Linoleumzement Kreide, Holz und Korkmehl als Füllstoff sowie Pigment beigemengt, die Masse auf einen Juterücken gepresst und ca. 3 Wochen "gereift", bis der Belag bestimmte mechanische Anforderungen erfüllt.

Unbehandeltes Linoleum muss gewachst werden. Je nach verwendetem Wachs können dabei erhöhte Raumluftbelastungen mit Terpenen auftreten. Aufgrund der Offenporigkeit des unbehandelten Linoleums kann es zur Schadstoff-Anreicherung im Linoleum selbst kommen ("Schwammeffekt"). Schadstoffe wie z.B. flüchtige organische Verbindungen werden dann erst wieder langsam an die Raumluft abgegeben.

Andererseits begünstigen diese Diffussionseigenschaften das Raumklima, da der Boden keine Dampfsperre für Feuchtigkeit darstellt. Im Zusammenhang mit Linoleum sind Geruchsprobleme an vorderster Stelle zu nennen, die infolge des oxidativen Abbaus aus Leinölbestandteilen zu geruchsintensiven Verbindungen wie z.B. Hexanal entstehen. Diese Geruchsproblematik kann bei neuen Produkten auftreten, aber auch bei älteren noch anhalten. Bei einer ständigen Geruchsbelästigung bleibt in vielen Fällen nur noch das Entfernen des Bodenbelags.

Behandeltes Linoleum ist meist mit einem Kunstharz-Überzug auf Polyacrylat- oder Vinylacetat-Basis versehen und kann bevorzugt für die Ausstattung von Räumen geeignet sein, in denen sich empfindliche Personen aufhalten.

PVC

Hauptbestandteil von PVC sind Polyvinylchlorid- (PVC) bzw. Polyvinylchlorid-Polyvinylacetat-Copolymere (PVC/PVAc). Diese Materialien sind infolge ihres umweltbelastenden Herstellungsverfahrens und der Entsorgung als äußerst problematisch zu bewerten.

Sie enthalten große Mengen an Weichmachern (25-50%), Stabilisatoren wie Zinn oder Schwermetall-Farbstoffe oder auch Flammschutzmittel und Stabilisatoren wie Calcium- und Zinkseifen, früher giftige Cadmium- und Bleiseifen.

Bis 1982: Asbest in Vinyl-Asbest-Platten oder Cushion-Vinyl-Platten.

Die Zusatzstoffe können aus dem PVC freigesetzt werden und gelangen so in die Raumluft oder den Hausstaub. Bei Verbrennungsprozessen (z.B. Wohnungsbrand) entstehen hohe Konzentrationen an Salzsäure sowie an hochgiftigen Dioxinen und Furanen. Ältere PVC-Böden können auch Asbest enthalten. Bei diesen Böden kann es zu einer erhöhten Faserfreisetzung kommen, wenn das Material beschädigt ist oder stark mechanisch beansprucht wird. Bei Sanierungen derartiger Böden sollte eine Sanierungsfirma beauftragt werden.

Polyolefin-Kunststoffe bestehen aus Polymeren von Propylen, denen Pigmente und mineralische Füllstoffe zugemengt werden. Sie stellen eine gute Alternative zu PVC dar, insbesondere in Feuchträumen, die nicht gefliest werden können. Polyolefin-Kunststoffe enthalten gewöhnlich keine Weichmacher und Flammschutzmittel, über das Abgabeverhalten flüchtiger organischer Verbindungen ist bisher jedoch wenig bekannt. Grundsätzlich sind diese Böden auch für sensible Personen geeignet.

Korkboden

Als Grundlage für die Herstellung von Korkböden dient die Rinde der in den Mittelmeerländern heimischen Korkeiche.

Die Rinde wird geschält, geschrotet und unter Hitzeeinwirkung gepresst. Die im Kork enthaltenen Harze dienen dabei als Bindemittel und verkleben. Zum Teil werden auch Kunstharze zugefügt. In dieser Form sind Korkböden wenig strapazierfähig, so dass eine Oberflächenbehandlung zur Verlängerung der Lebensdauer notwendig ist: Dazu werden ebenfalls Siegellacke verwendet, wie sie auch bei der Versiegelung von Holzfußböden eingesetzt werden.

Die Schadstoffproblematik ist in Abhängigkeit des verwendeten Versiegelungsmittels die gleiche wie bei Holzböden. Zusätzlich kommen bei Korkbodenbelägen Geruchsprobleme hinzu, die z.B. durch phenolische Verbindungen aus zu stark erhitzten Kunstharzen bedingt sein können.

Einkaufstipps:

Lassen Sie sich bei der Auswahl der richtigen Materialien viel Zeit. Überlegen Sie, welchen Anforderungen der Bodenbelag tatsächlich genügen muss. Flammschutzmittel, Mottenschutz, Anti-Allergen-Beläge oder Schutz gegen elektrische Aufladung sind nicht wirklich notwendig. Fordern Sie Untersuchungsberichte und Prüfzeugnisse vom Hersteller an. Verschiedene Firmen bieten auch eine Volldeklaration der Ware an!

Halten Sie Zusagen über die exakte Schadstoff-Freiheit: "Frei von PCP oder Permethrin" schriftlich auf dem Kaufvertrag fest. Beim Kauf großer Mengen lohnt sich evtl. im Vorfeld eine chemische Analyse zur Schadstoff-Belastung eines Produktes.

Auf die Verwendung von Kleber sollte möglichst verzichtet werden. Als Alternative kann in vielen Fällen z.B. auf doppelseitiges Klebeband zurückgegriffen werden oder der Bodenbelag verspannt werden. Haftkleber bieten ebenfalls eine lösemittelfreie Alternative zu herkömmlichen Klebern.

Bei der Verwendung von Kleber oder Versiegelungsanstrichen sollte auf Lösemittelfreiheit geachtet werden. Es empfiehlt sich in jedem Fall vor dem Verlegen ein DIN-Sicherheitsdatenblatt des Produktes vom Hersteller anzufordern.

z.B. der Raumtemperatur, der Luftwechselrate des Innenraumes oder der gesundheitlichen Prädisposition des Bewohners ab.